Fahne-Pelkum

Fahne des Schützenvereins Pelkum 1823 e. V. mit Germania und Eichenlaub.
Foto: Schützenverein Pelkum

Fahne-Uentrop-Haaren-Werrie

Fahne des Schützenvereins Uentrop-Haaren 1857 e. V. mit preußischem Adler im Eichenlaubkranz.
Foto: Schützenverein Uentrop-Haaren

Kette-15_16-Jahrh-a

 Die ältesten Stück aus der Geschichte des Hammer Schützenwesens: Die Kette des Bürgerschützenvereins mit Vogel, Büchsenrohr sowie zwei Schilden mit Abblidungen des Hl. Sebastian und der Hl. Agatha,
Silber, 15./16. Jahrhundert.

Spitze

Fahnenspitze der Hammer Schützenkompanie aus dem Jahre 1706, Bronzeguss, mit Gravuren, im Besitz des Bürgerschützenvereins. Foto: Gustav-Lübcke-Museum

Die Entstehung des Schützenwesens

Der frühe Sommer ist die hohe Zeit der Schützen. Gefeiert wird an jedem Sonntag und man geriete in arge Terminschwierigkeiten, wollte man alle Schützenfeste der Nachbargemeinden besuchen. Das Ritual ist vom Grundsatz her überall gleich, obwohl in jedem Ort anders gefeiert wird. Es gibt Könige und Festumzüge, Festzelte und Kirmesrummel, Musik und Tanz. Kaum jemand macht sich heute noch Gedanken über die Entwicklung dieses Treibens. Hinsichtlich der Entstehung des Ursprungs des Schützenwesens gehen die Meinungen auseinander. Schriftliche Aufzeichnungen wurden gerade in den Anfängen überwiegend durch mündliche Überlieferungen ersetzt. So wurden dann zu späteren Zeiten verschiedene Theorien entwickelt, die sich mit möglichen Gründen und Ursachen der Entstehung des Schützenwesens befassen. Auch heute noch steht eine exakte, komplette und gründliche Geschichte des gesamten europäischen Schützenwesens aus. Wie schwierig das alles ist, belegt auch die Tatsache, dass heute noch in vielen Vereinen (auch in unserem) die geschichtliche Entwicklung nicht lückenlos belegt ist und man sich erst dann damit beschäftigt, wenn ein Jubiläum bevorsteht. Man stellt dann plötzlich fest, dass große Wissens- und Informationslücken die Arbeit der Chronisten erschweren.

Bei den ersten europäischen Schützengilden oder Schützengesellschaften handelte es sich in der Regel um mehr oder weniger lockere Zusammenschlüsse, die sich zu Schießwettbewerben zusammenfanden, in frühgeschichtlicher Zeit geschah dies aber wohl eher zur Pflege kultischer Bräuche.

Jeder Versuch, aus der einen oder anderen Zeiterscheinung alleine den Ursprung für die Gründung des Schützenwesens ableiten zu wollen, ist falsch und daher zum Scheitern verurteilt.

Das Gildenwesen in England und Norwegen schon seit dem 11. Jahrhundert, in Deutschland seit etwa 800 und in Dänemark seit etwa 1200 urkundlich nachweisbar, wurde schon immer auf altheidnische, mit Opfern verbundene Trinkgelage zurückgeführt. Der Begriff „Gilde" wird mit dem Sprachgebrauch aus altheidnischen Zeiten gedeutet und soll mit genossenschaftlichen Opfergelagen der Heidenzeit zusammen hängen.

Man könnte im weitläufigen Sinne sagen, dass diese Gilden die Vorläufer der späteren christlich geprägten Bruderschaften und der nach 1815 entstandenen Vereine waren. Dass man in den großen und mächtigen Handelsstädten Nordwesteuropas für die Zeit ab etwa 1300 solches Schriftgut über Schützengilden fand, hängt mit der relativ sicheren Lagerung ihrer Archive zusammen, die anderswo nicht gegeben war.

Darüber hinaus gehört aber das Kernritual der Schützen, der Vogelschuss, seinem Wesen nach gar nicht zum schriftlichen, sondern zum mündlichen Überlieferungsgut.

Hinzu kam der Zwang, die Pflege eines so „heidnischen" Opferkults gegenüber der christlichen Obrigkeit zu verschleiern und das „heidnische Treiben" nicht über die Grenzen der Siedlungsgemeinschaften hinaus bekannt werden zu lassen.
Vieles spricht dafür, dass die frühesten Schützengilden wesentlich älter und auch weiter verbreitet waren, als dies allgemein angenommen wird, besonders auf lokaler Ebene.

Nach den ersten schweren Zusammenstößen mit dem Klerus verstanden es jedoch die Schützengilden - um die Wende vom 9. zum 10. Jahrhundert - nach und nach die Schützengilden in Genossenschaften zu verwandeln, deren Kennzeichen nicht mehr das Zelebrieren heidnisch anmutender Kulturen war, sondern eine Nachbarschaftshilfe unter Brüdern - unter Schützenbrüdern.

Die Kunst des Armbrust- und Bogenschießens hatte gegen Ende des 13. Jahrhunderts durch eine entsprechende Entwicklung des Waffenhandwerks eine Blütezeit erreicht. Bereits um 1150 hatte die Armbrust eine Durchschlagskraft, die auf eine Entfernung von etwa 150 m todsicher traf und aufgrund der Fernwirkung allgemeines Entsetzen hervorrief. Der Bolzen durchbohrte den Harnisch eines schwer gepanzerten Ritters mit solch tödlicher Wucht, dass auf dem zweiten Laterankonzil im Jahre 1139 das Schießen mit der Armbrust gegen Christen bereits verboten und mit Acht und Bann belegt wurde. Da dieses Verbot nur schwer einzuhalten war, hatte es auch wenig Erfolg. Die Schützen waren zu der Zeit gegenüber den Rittern vielfach im Vorteil, wobei die weit reichenden Pfeile, 8 Schuss/Min., bereits Standard waren. Hieraus erklärt sich wohl auch die besondere Intensität, mit welcher die aufstrebenden städtischen Selbstverwaltungskörperschaften das altüberlieferte Brauchtum und das Kräftepotenzial der Gilden in den Dienst der Verteidigung, des Aufbaus und der Selbstdarstellung der Stadtgemeinden zu stellen wusste.

Um die Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert kamen innerhalb der Städte die Gilden und Bruderschaften zu sichtbarer, historischer Wirksamkeit. Man kann wohl davon ausgehen, dass die Bräuche - zumindest in ländlichen Gegenden - auch über den Zeitraum vom beginnenden 10. bis zum ausgehenden 13. Jahrhundert hin beibehalten wurden. Es mag sein, dass dieses vielfach nur im Verborgenen möglich war, aber völlig in Vergessenheit geriet das Ritual der Schützen sicher nicht. Es gibt zu viele bezeichnende Überbleibsel und Gewohnheiten in späterer Zeit, die zu Rückschlüssen Anlass geben.

Man schoss weiterhin nach dem Vogel und verband dieses Vogelschießen mit der Wahl des besten Schützen zum König. Schon im 16. Jahrhundert kam die Sitte auf, dass der König zur Erinnerung an seine Königszeit ein silbernes Schildchen stiftete. Dieses Schildchen trug neben dem Namen des Königs auch das Jahr seiner „Königsherrschaft''.

Es ist nach Auffassung der Experten historisch nicht gerechtfertigt, wenn die heutigen Schützenvereine ihre Gründungsdaten über die Zeit vor 1815 hinaus zurückverlegen. Die Schützenvereinigungen vor dieser Zeit unterscheiden sich grundlegend von denen, die sich im 19. und 20. Jahrhundert herausbildeten. Gemäß   der   neuen   Entwicklung   begannen die Schützenvereinigungen nun die Standesunterschiede aufzuheben. Nicht mehr die Einteilung nach der Zufälligkeit von Stand und Geburt, sondern nach Leistung und persönlicher Neigung sollte entscheidend sein. Schütze brauchte nur der zu werden, der es auch wirklich wollte.

Der Staat und die Gesellschaft betrachteten Schützenfeste als harmlose Freizeitvergnügen. Und doch forderten Veranstaltungen, die den „Ruch der Zügellosigkeit, der Unsitte, Unordnung und Undurchschaubarkeit aufweisen", den staatlichen Ordnungssinn heraus. Nachdem alle Appelle an die Vernunft nicht ausreichten, griff der Staat hart durch und reglementierte die gesamte Vereinslandschaft, das Vereinsrecht gibt darüber genügend Auskunft.

Wie durch viele Aufzeichnungen belegt ist, war im 16. Jahrhundert Pfingsten ein beliebter Termin für das Fest des Vogelschießens. Die Natur stand dann im vollen, frischen Grün und ermunterte die Menschen zu fröhlichem, geselligen Tun. Und wenn der Wonnemonat Mai seine Reize entfaltete, so regte sich allenthalben auch die Schützenlust. Das Maigrün wurde die symbolische Farbe der Schützen und so ist die Schützenfarbe noch heute Grün.

Dass die Schützenfeste in unserer Heimat schon vor 400 Jahren eine so ausgeprägte Vorrangstellung vor allen anderen Festen und Lustbarkeiten hatten und einen Höhepunkt im Jahresbrauchtum darstellen, ist jedoch zweifellos nicht nur als Ausdruck der Freude über den Frühling zu verstehen, den die Menschen früherer Jahrhunderte noch viel stärker herbeigesehnt haben als es in unserem technischen Zeitalter der Fall ist.

Ein wesentlicher Grund liegt gewiss auch darin, dass die Schützenvereinigungen zu den wichtigsten Einrichtungen und Kräften des gesellschaftlichen Lebens gehörten. Bei den geselligen Zusammenkünften wurde bereits damals dem Alkohol in nicht unerheblichem Maße zugesprochen. Mit Verboten und Begrenzungen versuchten kirchliche und weltliche Obrigkeiten vielerorts der Auswüchse Herr zu werden.

Die Schützenvereine organisierten sich nach vereinsrechtlichen Grundsätzen und besaßen in den von den Mitgliedern beschlossenen und behördlich genehmigten Statuten eine verbindliche Grundlage für die Gestaltung des Vereinslebens. Die königliche Regierung in Arnsberg veröffentlichte am 15. Februar 1817 eine Verordnung des westfälischen Oberpräsidenten von Vincke über den „Gebrauch der Schießgewehre, besonders beim Scheiben- und Vogelschießen". In ihr wurde die Gründung von Schützenvereinen ausdrücklich angeregt.

Das Leben in den einzelnen Vereinen und Regionen ist so vielfältig, dass man ein ganzes Buch damit füllen könnte. Es dürfte doch erkennbar geworden sein, dass das Schützenwesen mit der europäischen und deutschen Geschichte und den jeweiligen wirtschaftlichen Verhältnissen bis in unsere Tage eng verzahnt ist.

 

Orden-1844

Königsorden des Schützenvereins Schmehausen mit Vogelstange und anlegendem Schützen als Motiv, 1844.
Foto: Gustav-Lübcke-Museum

Orden Schütz.1914_1

Orden des Schützenvereins Uentrop-Haaren aus dem Jahre 1914.
Foto: Schützenverein Uentrop-Haaren.

 

Orden-1842

Königsorden des Schützenvereins Schmehausen in Herzform aus dem Jahre 1842.
Foto: Gustav-Lübcke-Museum.

Diadem

Diadem für die Schützenkönigin aus den 1920er Jahren, Schützenverein Wiescherhöfen-Lohauserholz.
Foto: Gustav-Lübcke-Museum